Der Blog von Blumen & Biester

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Wie alles anfing... oder: Her mit dem Fleece!!!


Von meinen allerersten Arbeiten gibt es keine Fotos. Als ich mit 18 anfing, Teddybären und ein paar Kleidchen für mich zu nähen, machte man Fotos noch mit einer unhandlichen, teuren Kamera und ich, gerade fertig mit der Schule, eigenes kleines Zimmer, Erstsemester Kunstgeschichte, Volkskunde und Publizistik, hatte keine. So gingen die kuscheligen Gefährten, die ich an Freunde und mittlerweile zu Ex-Freunden mutierten Bekanntschaften verschenkte, einfach verloren, ohne aufzeigbare Erinnerungen zu hinterlassen. Die Kleidchen passten irgendwann nicht mehr oder lösten sich auf und verschwanden so ebenfalls spurlos. Das machte mich immer ein bißchen traurig.

Bei meinem Näh-Neustart vor etwa 4 Jahren sah die Welt komplett anders aus - ich, inzwischen verheiratet, Tierärztin, bereits drei Kinder, viertes im Ansatz, war stolze Besitzerin einer Digitalkamera, die mittlerweile durch ein neueres Modell ersetzt und durch ein Smartphone ergänzt wurde. Ich schwelgte und schwelge in den Möglichkeiten. Seitdem fotografiere ich meine Nähergebnisse und die anderen Produkte meiner kreativen Attacken. Einiges davon zeige ich Euch heute und dann könnt Ihr mich begleiten vom Anfang bis zur Gegenwart, in der immernoch und mehr denn je eifrig genäht, gezeichnet, gebastelt und designt wird.

Nähen ist gar nicht schwer. Jede/r von uns kann tolle, individuelle Dinge schaffen - man braucht allerdings ein wenig Equipment, eine gute Anleitung, am besten jemanden, um Fragen zu beantworten und Lust und Zeit zum Gestalten. Eine gute Nähmaschine lohnt sich - mit ein bißchen Glück kann man bei bekannten Auktionshäusern oder aus der Zeitung ein älteres Markenmodell für wenig Geld erwerben, manchmal auch gleich mit dem ersten Nähzubehör. Ich habe mit billigen Neu-Maschinen meine ersten Gehversuche gestartet und kann davon nur abraten. Sie haben schon bei meinen Fleecepullovern gestreikt, wenn es darum ging, mehrere Lagen übereinander zu nähen. Ich war so erleichtert, als ich endlich eine Maschine hatte, die nicht dauernd die Arbeit verweigerte! Was für eine Zeitersparnis, was für eine Frustreduktion.

Mit Fleecepullovern fing Teil 2 meiner Nähkarriere an. Ich war im Internet auf diese entzückenden Zipfelpullis gestoßen und plötzlich juckte es mich wieder in den Fingern. Fleece ist ein guter Stoff, um zu beginnen, da er prima zu verarbeiten ist, nicht ausfranst und kleine Fehler in der Paßgenauigkeit verzeiht. Außerdem geht er beim Waschen nicht ein und kann daher auch nicht-vorgewaschen verarbeitet werden.

Dinopulli
Mein erstes Modell war ein Dinopulli für meinen kleineren Sohn. Kurz darauf wollten alle Kinder Dinomode und schon war ich in jeder freien Minute am Nähen, was sich seitdem auch nicht wesentlich geändert hat. Nur die Zahl der freien Minuten bleibt nicht gleich, sondern verhält sich gegenläufig zu den anderen zeitfressenden Herausforderungen im Leben einer Mutter - z.B. Magen-Darm-Grippe x 6 oder nicht enden wollender Hausaufgabenbeistand. Die Dinopullis sind in Anlehnung an das Farbenmixmodell "Kronenpulli Bea" enstanden. Ich persönlich empfinde viele Schnitte von Farbenmix als sehr anfängergeeignet, v.a. mit den dazugehörigen Anleitungen im Netz. Die Kapuze habe ich allerdings selbst nachjustiert.

Eigenbau Kapuzenkamm

Zum einen fand ich den Durchschlupf für meine kleinen Dickschädel beim Original etwas eng und zum anderen mußte ein bißchen mehr Dinogefühl hinein. Die Zacken sind aus festem Textilfilz und zusätzlich innen mit Vlies verstärkt - so bleiben sie auch stehen. Für die Kleinste kam passend noch eine Hose dazu - das ergab ein niedliches warmes Kostüm für den Karneval.

Dinoanzug

Weitere Pullover folgten. Ich war und bin fasziniert von der Möglichkeit, meine Zeichenleidenschaft in Form von Applikationen einzubringen.

Sonnenpulli mit Fingerknotenkapuze
Ritterpulli, auch aus meinem Kopf, mit selbst entworfener Applikation
Eigenkreation Cape
Eigenkreation Pferdeapplikation

Nähen wurde zur Leidenschaft. Ich entdeckte neue Möglichkeiten. Ich wollte mehr Maschinen: Eine Overlock zur problemlosen Verarbeitung dehnbarer Stoffe und zur allgemeinen Beschleunigung von Versäuberungsprozessen und, der Gipfel aller Traumgebirge, eine Stickmaschine mit USB-Eingang und das passende Stickprogramm zur perfekten individuellen Verzierung der Eigenproduktionen und zur Verwirklichung eigener Ideen auf Stoff. Es dauerte ein bißchen, aber Geburtstag und Weihnachten sorgten schließlich für noch mehr Nähwahnsinn, an dem Ihr in Zukunft noch ausführlich teilhaben könnt. Auch Fleece läßt sich sehr gut mit Overlock und Stickmaschine bearbeiten, wobei zum Besticken ein Stickvlies drunter und eines darüber gehört - für "drüber" am besten eine Stickfolie, die verhindert, dass sich die Fleecefasern durch das Stickbild mogeln. Reste der Folie können hinterher ausgewaschen werden.

Mal ein wirklich persönliches Geburtsgeschenk. Blumentasche by me.
Abgewandelt nach Farbenmixschnitt "Drunter und Drüber", Stickdatei von Ginihouse
Farbenmixschnitt "Klein Fehmarn"
Auch von hinten piratig. mit Piratenboot von Ginihouse
Für einen kleinen Fußballfan

Auch heute mag ich Fleece noch gerne, gerade wenn es draußen ungemütlich wird, allerdings gibt es große Qualitätsunterschiede. Am besten ist es, wenn man das Fleece vor dem Kauf anfassen kann, wie z.B. auf einem Stoffmarkt oder eben im Geschäft. Auch am Preis kann man sich bedingt orientieren. Ich habe allerdings trotz aller Antipillingbehandlungen noch kein Fleece erlebt, was nicht ein bißchen durch die Wäsche einbüßt. Trotzdem - ein guter Stoff, auch in Kombination mit anderen Stoffen.

Abgewandelter Farbenmixschnitt "Amelie" mit Jeansapplikation und Stickmuster aus "J.P.s Garden".



Auch nach "Amelie", aber mit Schalkragen und Stickdatei "Glitzipockets"

Kombi aus Fleece und Babycord. Schnitte von Farbenmix und Ottobre.

Hinten mit Prinzessin.
Auch in Kombination mit Jersey schick. Schnitt für Baskenmütze und Volantschal sind ein Eigenbau.

So. Jetzt habt Ihr vielleicht schon eine Ahnung, was hier auf Euch zukommt. Ich hoffe, ich werde in den nächsten Tagen nicht zu sehr durch andere Dinge aufgesogen, ansonsten geht es hier bald weiter. Zum Abschluß noch ein Bild von einer meiner liebsten Kreationen für meine liebe Schwägerin, ihres Zeichens eine ausgesprochene Froschfreundin. Auch hier konnte ich den Spaß am Zeichnen meiner Biester ins Schnittmusterbasteln und Nähen mit einfließen lassen.

Fang die Fliege!!! Die Mütze ist gleichzeitig Schal.

Bis bald und viel Spaß beim Nähen!