Der Blog von Blumen & Biester

Freitag, 1. Februar 2013

Tutorial Recycling - Loopschal



So. Es ist soweit. Hier kommt mein erstes Tutorial für Euch! Inspiriert durch Katwise (www.katwise.com) habe ich zu den von ihr kreierten Armwärmern (Anleitung hier: www.etsy.com/shop/katwise) einen passenden Schal entworfen, den ich Euch hier gerne vorstellen möchte.

  Was Ihr alles braucht:

1. Eine robuste Nähmaschine. Also Ihr braucht jetzt nicht unbedingt eine Overlock... aber ganz ehrlich, ohne würde ich es nicht machen wollen. Man kann das Ganze natürlich mit einer normalen  Nähmaschine mit Overlockstich nähen, aber es gibt wenige Projekte, die so sehr die Vorteile der schnellen, schneidenden Overlock zum Vorschein bringen wie dieses. Ein Extrapäckchen Nadeln in der Hinterhand kann nicht schaden, denn die Verarbeitung der z.T. durchaus dicken Materialien bringt die Maschine hier und da möglicherweise an ihre Grenzen. Neben der Maschine selbst ist spezielles Overlockgarn wichtig. Aldi und Lidl bieten hier allerdings schon ausreichend gute Qualität.

2. Sehr hilfreich können Stecknadeln sein, gerade am Anfang, wenn man noch unsicher ist. Nicht die kleinen allerdings, sondern sogenannte Schwesternnadeln, wie man sie auch zum Quilten benutzt. Die kleinen können nicht genug Stoff fassen.

3. Ein bis zwei Schneidgeräte. Ich benutze gerne einen Rollschneider, weil es einfach schneller geht und die Hände nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden (außer man rutscht ab...). Zusätzlich schätze ich meine kleine Stickschere sehr als Hilfe beim Fäden abschneiden, da ich mit ihr genauer arbeiten kann, als mit einem größeren Modell.

4. Ein Schneidbrett ist für den Rollschneider unerläßlich und auch noch praktisch, da es gleichzeitig als Maßgeber fungiert. Wer lieber mit der Schere arbeitet, dem reicht auch ein Maßband als Hilfe.

5. Na klar - Ihr braucht noch den Stoff, aus dem Euer Traum sein soll. Die eigentliche Idee ist es hier, abgelegte Pullover o.Ä. zu recyceln, aber natürlich ist man frei, auch normalen, etwas dickeren und dehnbaren Stoff zu verwenden. Ich selbst finde gerade die Vorstellung, den Müllberg zu reduzieren und aus ausgedienten Lieblingstücken noch das Beste herauszuholen sehr liebenswert. Daher habe ich mich für diesen Weg entschieden. Wenn Ihr selbst keine alten Pullover habt, hört Euch um. Ihr werdet staunen, was alles in benachbarten und befreundeten Schränken schlummert und auf eine neue Bestimmung wartet.
Die Pullover sollten sich in der Dicke nicht zu sehr unterscheiden und von der Rückseite her nicht gänzlich unansehnlich sein, denn diese sieht man am Ende bei dieser Verarbeitungsform durchaus auch, außer, Ihr entscheidet Euch, den Schal zu füttern. Dann bräuchtet Ihr noch etwas weichen, dehnbaren Stoff, etwa 140 - 150cm x 25cm. Ansonsten überlegt Euch einfach, was Ihr an einem Schal schätzt, was Ihr am Hals und auf der Haut mögt, welche Farben Ihr liebt und welche zur Garderobe passen, stöbert, findet, seid glücklich mit Eurer Auswahl und DANN kann es losgehen!
Die Bündchen schneide ich meistens ab, um sie später für die oben erwähnten Armwärmer zu verwenden. Da sie am unteren Ende nicht aufribbeln, bilden sie einen schönen Abschluß an Fingern oder Ellenbogen.

Ein Schneiderlineal kann hilfreich sein, um wirklich gerade abzuschneiden. Allerdings ist es hier nicht entscheidend, millimetergenau zu sein.

Es gibt nicht das EINE PERFEKTE Maß für einen Schal. Die Vorlieben sind auch hier verschieden. Für mich hat sich eine Endbreite von etwa 20 - 23cm bewährt, sowie ein Umfang von ungefähr 140 - 145cm. Damit paßt der Schal dann locker gewickelt und entspannt zweimal um den Hals. Wenn Ihr das zur Orientierung nutzen wollt, schneidet Ihr Euch aus Euren erwählten Stoffen Stücke zu, die eine Höhe von 25cm haben, denn die Overlock wird Euch etwas Rand kosten. Insgesamt sollten es eben so viele Stücke sein, daß Ihr auf die 140 - 145cm kommt, wobei Ihr pro Stoffstück ca. 2cm von der Länge, die Ihr erreicht abziehen müßt, weil eben auch hier die Overlock etwas Stoff verschlingen wird. Ein Beispiel: Ihr habt 4 Stücke Stoff a 37cm. Das ergibt zusammen eine Gesamtlänge von 148cm. Pro Stück Stoff 2cm abziehen macht zusammen 8cm, bleiben ca. 140cm Endumfang übrig. Meine Schals bestehen in aller Regel aus deutlich mehr Einzelteilen - dann fällt der Verlust beim Nähen natürlich auch mehr ins Gewicht und muß durchaus beachtet werden. Also kalkuliert einfach nicht zu knapp.
 Wenn Ihr Eure Einzelteile zugeschnitten habt, geht es ans Drapieren. Stellt Euren Schal so zusammen, wie es Euch gefällt!
Gut. Und nun an die Maschine! Bei diesem Stil werden die Teil nicht wie sonst rechts auf rechts (also "gute" Stoffseite auf "gute" Stoffseite) gelegt und somit auf der Rückseite vernäht, sondern links auf links gelegt, so dass die Naht auf der späteren Vorderseite sichtbar ist. Wer sonst viel "normal" näht, sollte sich das zwischendurch immermal wieder ganz klar machen - Automatismen sitzen tief. Auch die sogenannte linke Seite eines Pullovers hat ihren Charm und kann als Vorderseite genutzt werden, allerdings sollten die Nähte am Ende einheitlich auf einer Seite zu finden sein.
Ihr könnt das dann mit einer von den großen Stecknadeln zusammenstecken. Ich tue das nicht mehr. Ich lege die beiden Einzelteile sauber übereinander, klemme sie unter den Overlockfuß und halte die Ränder in Position. Ich empfinde es als hilfreich, die Overlockfäden am Anfang der Naht unter leichtem Zug nach hinten zu führen, damit sie sich nicht an der Maschine festhaken, wenn der Stoff vom Messer zu den Nadeln kommt. Bei Strick ist es wichtig, nicht zu knapp abzuschneiden, damit die Fäden alle zerstörten Maschen erwischen können. Die Schnittkante muß sauber und glatt sein. Tiefer liegende angekratzte Maschen können Euch sonst später aufribbeln.
So näht Ihr nun Stoffstück an Stoffstück bis Ihr alle verarbeitet habt und das Ganze so oder so ähnlich aussieht:

An dieser Stelle kann man sich überlegen, den Schal zu füttern. Wenn Ihr besonders schnell friert, relativ dünne Pullover verwendet habt oder die Rückseiten doch nicht so hübsch findet, macht das durchaus Sinn. Das würde bedeuten, dass Ihr Euch einen weichen, dehnbaren und natürlich farblich passenden Stoff für die Innenseite aussucht, z.B. Nikki oder Fleece, von diesem ein genauso großes Stück wie Eure Pulloverschlange abschneidet, beide Stücke wieder links auf links zusammenlegt (auch hier sind die sichtbaren Nähte schön, wie ich finde) und an den langen Seiten zusammennäht. Danach seid Ihr dann auch bei dem jetzt hier folgenden Schritt, nur dass Ihr dann eben vier Stofflagen aufeinanderzulegen habt, um den Schal zur Runde zu schließen und daraufhin, bis auf das Vernähen der letzten beiden Fäden, schon fertig seid.

Wollt Ihr den Schal nicht füttern, wird der Schal jetzt erstmal zum Rundschal, also der Kreis geschlossen. Paßt auf, dass er in sich nicht verdreht ist. Das kann man zwar auch als Stilmittel einsetzen, aber dann besser, wenn es gewollt geschieht ;o)

Jetzt müssen noch die Ränder bearbeitet werden.Dazu wird auf beiden Seiten einmal mit der Overlock rundherum genäht. Dabei werden auch überstehende Zipfel abgeschnitten und die Kanten begradigt. Die Maschine muß hier über einige Nähte nähen, was sie manchmal nicht mit Begeisterung erfüllen wird. Mir hilft es, wenn ich vor der zu überfahrenden Naht sichergehe, dass es keinen Stoffstau vor dem Messer gibt, der Stoff sauber übereinander liegt, das Ganze dann schön glatt halte und in gutem Tempo über die Naht nähe. Verzögerungen direkt vor oder in der Naht machen nach meiner Erfahrung nur Schwierigkeiten. Ein bißchen Schwung (aber nicht volles Tempo) nach überprüfter freier Bahn klappt am besten.
Sorgt dafür, dass die Overlockfäden der zusammengenähten Stoffstücke zur Seite heraushängen und das Messer sie bei der letzten Naht mit erwischt, denn damit sind dann auch die Quernähte versäubert. Am Ende näht Ihr ein kleines Stück über den Anfang und zieht dann den Stoff unter dem Nähfuß so heraus, dass die Maschine nicht mehr den Stoff trifft beim Nähen. Bleiben nur noch die beiden letzten Fäden, die versäubert werden wollen. Dafür kann man eine dicke Nähnadel nehmen oder aber eine Häkelnadel - meine favorisierte Lösung.
Ihr schiebt die Häkelnadel ein Stück durch die Overlocknaht - etwa 3cm - auf den überstehenden faden zu, schnappt ihn Euch mit der Häkelnadel, holt ihn durch die Naht und schneidet den Rest ab. Fertig!
Und so sieht das Ganze dann fertig aus:
Und in Anwendung so:
Tatatataaaaaaaaa!

Ein paar Designbeispiele für Euch. Es gibt so viele Möglichkeiten wie Pullover, nein, NOCH MEHR!!!!! Also los! Und viel Spaß beim Produzieren Eures ganz eigenen Schals!