Der Blog von Blumen & Biester

Dienstag, 7. Mai 2013

Tutorial: Aus zwei mach eins - wie man aus Herrenhemden Sommerkleider macht

Tatatataaaaaa! Hier, wie versprochen, die Anleitung zum Nachbau der Hemdenrecyclingsommersonnenkleider :0)



Um dieses Tutorial in die Tat umsetzen zu können, gilt es, einige Voraussetzungen zu erfüllen. Zunächst einmal braucht Ihr Zugang zu einem männlichen Wesen oder irgendeinem Hemdenträger in ausreichender Größe, um an den Ausgangsstoff zu kommen - die Herrenhemden. Die Größe des Hemdenträgers hat in diesem Fall Einfluß auf die maximale Länge des Kleides, ist aber nicht alles entscheidend, da dieses Modell in verschiedenen Längen zu tragen ist. Wer keinen Hemdenträger sein eigen nennt und auch so gar keinen kennt, an den frau sich in diesem Punkt vertrauensvoll wenden möchte, der kann in Second-Hand-Läden fündig werden.

Zwei Hemden in der gleichen Größe und von ähnlichem Schnitt, außerdem Baumwollspitze, Schneidewerkzeug und Lineal.

Für das hier beschriebene Kleid sind zwei farblich aufeinander abgestimmte Hemden vonnöten. Die Hemden sollten die gleiche Größe und einen ähnlichen Schnitt haben. Achtet hier vor allem auf den unteren Saum. Der Verlauf dieser Kante sollte bei beiden Hemden ähnlich sein. Außerdem braucht Ihr Baumwollspitze (man kann das Ganze natürlich auch ohne nähen oder anders verzieren, aber mir würde sie fehlen (o;) - ich kaufe meine ausgesprochen gerne bei derspitzenladen (ebay). Dahinter verbirgt sich ein wunderbarer kleiner Laden mit einem schönen Sortiment selbstgefertigter Baumwollspitze von sehr guter Qualität. Die Spitze wird z.T. auch gefärbt verkauft - dabei wechselt das Sortiment etwas - öfter Mal hineinzuschauen lohnt sich. Der Kontakt ist ausgesprochen freundlich - sehr empfehlenswert.

Maßband und Nahttrenner

O.k. - Hemden, Spitze - dann braucht Ihr ein Stückchen Gummiband von 3 bis 4cm Breite und je nach Kind  zwischen etwa 40 und 60cm Länge, eine scharfe Schere oder einen Rollschneider mit Unterlage, eine funktionstüchtige Nähmaschine, passendes Garn für beide Hemden, ein Maßband um Euer Kind, Euch selbst oder wen auch immer Ihr benähen wollt zu vermessen, ein langes Lineal (sehr praktisch: das Schneiderlineal von Prym, da hiermit auch bestimmte Rundungen, die in Schnittmustern immer wieder vorkommen, leicht gezeichnet werden können), einen großen Zeichenblock für das kleine bißchen Schnittmuster, das wir uns selbst erstellen werden, einen Bleistift (naja, möglicherweise auch ein Radiergummi), eventuell einen Nahttrenner und vielleicht eine Wendenadel, wenn Euch das Wenden von Bindebändern auch so an den Nerven zerrt wie mir.

Ich finde die Schneidematte auch zum Zeichnen sehr praktisch, da sie durch die vielen Linien und Maße eine gute Orientierung darstellt, an der ich mein Lineal ausrichte.

Zuletzt braucht Ihr noch etwas Augenmaß und auch den Mut, ein bißchen zu experimentieren, denn das hier ist kein komplett vorgefertigtes Schnittmuster, das man einfach nur nacharbeitet, sondern eine Anleitung zum Maßschneidern (in sehr geringem Ausmaß) und hier braucht Ihr auch Eure eigene Intuition, Euer Vorstellungsvermögen und Abenteuerlust - eben ein bißchen Pioniergeist. Ein bißchen reicht aber auch :o) Laßt Euch von der Länge der Anleitung nicht entmutigen - ich erkläre die einzelnen Schritte sehr genau, aber die Verarbeitung dauert im Prinzip weniger lang als bei vergleichbar aufwendig wirkenden Kleidern, da wir einige durch die Hemden vorgegebenen Nähte einfach übernehmen. Laßt Euch ein bißchen Zeit und macht es Euch gemütlich, lest das Ganze einmal entspannt durch. Wenn Ihr das getan und die Materialien zusammengesammelt habt, kann es losgehen.

Schnappt Euch Euer Kind und nehmt ein paar Maße. Keine Sorge - nicht sehr viele, das klappt auch bei kleinen Zappeltanten und ich beschreibe Euch das hoffentlich so, daß Ihr das nachvollziehen könnt. Dafür habe ich diese hinreißende kleine Skizze gezeichnet :o))) :

Hihi - mein Sohn meint, ich hätte ihr eine Unterhose anziehen sollen... naja - ich schätze, hätte ich sie gefragt, hätte sie lieber Füße gehabt.

Zunächst nehmt Ihr die Trägerbreite (in der Zeichnung a). Dafür meßt Ihr über der Brust Eures Kindes, etwas unterhalb der Schlüsselbeine einmal quer. Stellt Euch dabei vor, wo das Kleid beginnen soll und wo die Träger idealerweise sitzen würden und meßt dann von der Außenkante des einen Trägers zur Außenkante des anderen. Zur Orientierung: Bei meiner fünfjährigen Tochter (Kleidergröße ca. 116/122, schmales Kind) beträgt die Trägerbreite 19cm, bei meiner achtjährigen (Kleidergröße ca. 146, sehr schmales Kind) 22cm. Das nächste Maß (b) nehmt Ihr unterhalb der Brust. Damit kommt Ihr automatisch ein gutes Stück unter der Achselhöhle entlang, was wichtig ist, damit das Kleid später nicht unter dem Arm drückt oder reibt. Ich messe hier etwa bis zur seitlichen Mitte des Brustkorbs. Dieses Maß bestimmt am Ende, wie weit Euer Oberteil um den Oberkörper herum reicht. Bei meiner Kleinen sind das 29cm, bei der Großen 34cm. Maß (c), der Unterbrustumfang, wird auf der gleichen Höhe gemessen, nur einmal ganz herum (die Kleine 60cm, die Große 73cm). Dieses Maß brauchen wir später, um zu bestimmen, wie weit wir den Rückenteil einkräuseln bzw.mit Gummiband versehen, damit es gut sitzt und auch hier nicht drückt. Zuletzt ist im Brustbereich noch der Abstand zwischen a und b/c wichtig, um das Schnittmuster für das Oberteil konstruieren zu können. Ich habe diesen Abstand (e) genannt. Er beträgt bei meiner Kleinen 10cm, bei der Großen 13cm. Jetzt fehlt uns noch die gewünschte Länge des Kleides. Diese wird etwas unterhalb unserer Brustumfangslinie gemessen, das wir zwischen Oberteil und Rockteil noch einen Bundstreifen anbringen, der uns etwa 5cm bringt. Da der Rockteil wie beim Empirestil hoch angesetzt ist, liegt dieses Maß auf jeden Fall oberhalb der Taille. Hier kann man natürlich versuchen ganz exakt zu sein, aber meiner Meinung nach gilt diese Länge vor allem der groben Orientierung - wie lang muß mein Rockteil sein, um im Bereich der Wade zu enden, wie lang, um eine Tunika oder jede erdenkliche Zwischenlänge zu erreichen. Zum einen hat dieses Kleid das Potential, eine ganze Weile mitzuwachsen und wird sich daher in der Endlänge ohnehin dem Kind anpassen. Zum Zweiten bestimmt auch die Größe des Hemdenspenders bzw. seines Hemdes die Möglichkeiten, die uns hier zur Verfügung stehen. So waren bei meiner Kleinen für die Wadenlänge ca. 50cm vonnöten, bei der Großen wären es 73cm gewesen, die mir aber nicht zur Verfügung standen, weshalb ich mich für eine kürzere Variante entschieden habe (natürlich kann man sich da mit etwas Phantasie helfen - ich bastele an Ideen (o:).

So. Fertig gemessen - jetzt zeichnen wir unser Schnittteil. Zunächst markiert Euch die Mitte Eures quer platzierten Zeichenblocks von oben nach unten. Im rechten Winkel dazu zeichnet Ihr mittig das Maß (a) an. Im Abstand (e) darunter dann das Maß (b). Zur Verdeutlichung habe ich das fotografiert:

Oben mittig die Linie mit der Länge (a) und im Abstand (e) die ebenfalls mittig angeordnete Linie  mit der Länge  (b).

Wenn Ihr das habt, braucht ihr eine verbindende Kurve zwischen den Enden von (a) und (b), etwa so wie auf dem Bild unten. Diese kann mit Hilfe z.B. des Prymlineals gezeichnet werden, was einem durch die vorgegebenen Kurven die Möglichkeit gibt, beide Seiten leicht identisch zu zeichnen oder auch mit den schönen Schablonen der beiden netten Belgier vom Hollandstoffmarkt - wenn Ihr schonmal auf diesem Markt wart, wißt Ihr sicher, wen ich meine, sonst schaut mal hier: http://www.schablonen.be/de/index.htm. Ich habe sie noch nicht, aber ich weiß, ich kann mich nicht mehr lange wehren (o: Auch aus dem Handgelenk kann man die Kurven recht einfach zeichnen. Dann würde ich mein ausgeschnittenes Schnittmuster allerdings zur Kontrolle einmal mittig falten und beide Seiten feinabgleichen, damit das Oberteil auch symmetrisch wird.

Den richtigen Schwung der Bögen zu beschreiben, finde ich schwierig.  So sollte es in etwa aussehen. Sollte Euch das Schwierigkeiten bereiten, könnt Ihr Euch möglicherweise zusätzlich an einem Kleid orientieren, das in Eurem Schrank hängt.

Fertig gezeichnet? Prima. Ausschneiden, erstmal beiseite legen. Jetzt geht es ran an den Stoff: Schnappt Euch die Hemden und schneidet sie quer durch und zwar vom unteren Saum an nach oben gemessen in der Länge des Rockteils, die Ihr Euch wünscht. An diesem Punkt seht Ihr, was maximal möglich ist, denn bei diesem Modell ist die maximale Länge die, die das Hemd vom unteren Saum bis zu der Querlinie unter den Armen hergibt. Es soll nämlich - zugeknöpft - ein Schlauch bleiben. Schneidet an Eurem Lineal entlang oder zeichnet Euch eine Querlinie an und schneidet dann rundherum ab. Bei karierten Hemden sollte man sich an den Querstreifen orientieren können, aber ein prüfender Blick kann da nicht schaden - auch die Großindustrie arbeitet nicht immer genau.

Auf dieser durch das Lineal dargestellten Linea wird geschnitten, wenn Ihr die maximale Rocklänge herausholen wollt.

So verfahrt Ihr mit beiden Hemden. Meßt bitte beide Hemden - sie fallen auch beim selben Spender durchaus unterschiedlich lang aus. Das Hemd, das am Ende oben sein soll, also den äußeren Stoff für den Rockteil liefert, soll etwas kürzer sein. Wie groß der Unterschied genau sein soll, ist Geschmackssache und hängt auch von der ausgesuchten Baumwollspitze/Verzierung anderer Art ab. Jedenfalls sollte das innen liegende Hemd unter dem außen liegenden Hemd plus Baumwollspitze noch etwas herausschauen - etwa 3 bis 5cm. Jetzt könnt Ihr messen und rechnen oder das Ganze einmal testweise zusammenlegen - was ich bevorzuge - und schon habt Ihr Euer persönliches Ergebnis.

Schnittteile nach dem ersten Zerteilen beider Hemden.

Nun habt Ihr zwei einmal durchgeschnittene Hemden. An das später außen liegende Hemd setzt Ihr innen die Baumwollspitze. Ich stecke sie so fest, daß ich sie von außen in der Saumnaht annähen kann. Die Spitze guckt also unter dem Außenstoff hervor. Ich habe mich für Spitze entschieden, die oben eine fertige Abschlußkante hat. So sieht es auch noch hübsch aus, wenn der obere Rockteil auffliegt und umklappt. Die abgeschnittenen Enden der Spitze versäubert man mit einem schmalen weißen Zickzackstich und klappt sie ein wenig ein.

Feststecken der Baumwollspitze. 

Wenn Ihr die Spitze rundherum angenäht habt, klappt Ihr das äußere Hemd um das innere und knöpft beide im Bereich der obersten Knöpfe zu.

Die Hemden liegen mit Oberkante exakt aufeinander.

Steckt beide Hemden an den Seitennähten zusammen, klappt diese aufeinander, um die vordere und hintere Mitte zu markieren und steckt diese ebenfalls zusammen. Jetzt platziert auch einige Nadeln zwischen diesen Eckpunkten. Sollte sich herausstellen, daß ein Hemd nun doch ein klein wenig breiter ist als das andere - keine Sorge. Vermittelt einfach den Unterschied zwischen Euren Nadeln. Wir kräuseln nachher sowieso, da fällt das in keinster Weise auf.

Mitten und Seiten sind markiert und festgesteckt.

Beide Hemdenrockteile werden nun an der Oberkante mit Zickzackstich (ich habe meinen 4mm breit gewählt, damit er später nicht herausguckt) zusammengenäht. Danach legen wir unseren so entstandenen Doppelrock erst einmal zur Seite und widmen uns dem Oberteil.


Dafür schneiden wir die Ärmel an der Naht auf bzw. trennen die Naht mit dem Nahttrenner auf, wenn es sich lohnt, hier cm zu sparen. So wie auf dem Bild unten wird unser Schnittmuster auf dem Ärmel platziert und eine Nahtzugabe addiert - ich nehme dafür 1cm. Der Ärmelsaum ist die Unterkante - so müssen wir hier nichts versäubern. Schneidet das Oberteil zweimal aus. Das zweite fungiert als Beleg und verleiht dem Oberteil auch die nötige Stabilität.



Jetzt brauchen wir noch die beiden Bindebänder und den Bundstreifen. Den Bundstreifen schneide ich aus dem Rückenteil eines Hemdes. Er sollte beim fertigen Kleid zwischen 4 und 6cm breit sein. Da er längs gefaltet wird, muß er also doppelt so breit plus Nahtzugabe ausgeschnitten werden. Das sind dann also 10 bis 14cm Breite. Schaut, wieviel noch von Eurem Hemd übrig ist am Rücken und teilt diesen Bereich in zwei gleich breite Streifen. Die Länge hängt von Maß (c) ab. Zu diesem rechne ich etwa 10cm - dieses Spiel wird durch das Gummiband angepaßt und erlaubt später ein leichtes An-und Ausziehen des Kleides. Außerdem bleibt es so auch eine Weile tragbar, auch wenn das benähte Wesen wiedereinmal schlagartig genau dann wächst, wenn man es gerade frisch eingekleidet hat :o)

Der Bundstreifen wird aus zwei Streifen aus dem Rückenteil eines der Hemden gefertigt.

Ein Streifen wird meist nicht reichen, um Euer Maß zu erfüllen. Ich nähe also die gewünschte Länge aus meinen zwei Streifen zusammen (klar- Stoff rechts auf rechts und von der linken Seite nähen), schließe das Ganze zum Ring und steppe die Nähte nochmal von rechts mit Geradstich flach. Versäubert die offenen Kanten mit Zickzackstich.

Bundstreifen mit eingesetztem Zwischenstück.

Flachgesteppte Nähte von der rechten Seite.

Für die Bindebänder schneide ich ebenfalls Streifen von 10 bis 14cm Breite und nähe sie wie oben aneinander.

Bundstreifen, Bindebänder und Oberteile.

Über die Länge entscheiden Geschmack, Kindgröße und das Hemd. Sie sollte irgendwo zwischen 50 und 70cm liegen. Wenn Ihr Euch unsicher seid, haltet den Streifen einfach mal an Euer Kind :o) Die Streifen für die Bindebänder werden dann rechts auf rechts längs gefaltet, die offene Seite an einem Ende schräg geschnitten (siehe Bild oben), das Ganze bis auf das andere Ende mit Geradstich zusammengenäht, gewendet und einmal knappkantig abgesteppt.

Das hier ist eine Wendenadel.
Man schiebt sie durch die Wendeöffnung bis zur Spitze des zu wendenden Bandes, hakt sie vorsichtig durch den Stoff ein - dabei wird der Stoff nicht verletzt - und zieht sie durch die Wendeöffnung wieder zurück, wobei sie den Stoff (mit nur geringem Gefummel) mit sich nimmt. Sehr praktisch. 

Absteppen der Bindebänder

Jetzt werden die beiden Oberteile zusammengenäht, wobei auch die beiden Bindebänder wie auf dem Bild unten zu sehen, zwischen die rechts auf rechts liegende Teile eingefügt werden. Wichtig hierbei ist, die Nahtzugabe am oberen Rand zu beachten, also die Bindebänder nicht ganz nach außen zu setzen. Achtet auch darauf, daß Ihr die Nahtseite der Träger symmetrisch anordnet - also entweder jeweils die Nahtseite nach außen oder nach innen. Ich habe sie nach innen genommen, also zum Hals hin, aber das war nur meine Intuition :o) Jetzt werden die Seiten und der obere Rand mit Geradstich zusammengenäht, unten bleibt das Oberteil zum Wenden offen.

Bitte eine gute Nahtzugabe Abstand von der Außenkante einhalten beim Einfügen der Bindebänder zwischen die beiden Oberteilschnittteile.

Vor dem Wenden schneidet bitte die Nahtzugabe an den Rundungen ein paar Mal bis etwa 1mm vor die Naht ein (etwa im Abstand von 1,5 bis 2cm), damit die Naht hinterher schön flach liegt.

Einschneiden der Nahtzugaben in den Rundungen

Die Ecken des Oberteils werden abgeschnitten - natürlich ohne die Naht zu verletzten. Auch hier ist etwa 1mm Abstand zu halten.

Die untere Ecke ist bereits abgeschnitten.

Dann wendet das Ganze, arbeitet die Ecken und Kanten schön heraus, einmal kurz Bügeln und bis auf die Unterkante rundherum absteppen - fertig.


Jetzt schnappen wir uns wieder das Rockteil und nun wird gekräuselt.


So etwa sieht das ohne Einkräuseln aus.

Dafür bringen wir sowohl auf der Vorderseite zwischen den beiden Seitennähten als auch auf der Rückseite je zwei Nähte im Abstand von einer Nähfußbreite an. Diese Nähte werden mit der größtmöglichen Stichlänge (6) und leicht herabgesetzter Fadenspannung (1 - 2) und nur vorwärts genäht. Die äußere der beiden liegt knapp neben der Oberkante der Rockteile.

Ich will nicht, daß Euch bei diesem Bild schwindelig wird, aber hier kann man die beiden Nähte  im bereits durchgenähten Stoff hinter der Maschine ganz gut erkennen :o)

Nehmt die beiden Unterfäden auf einer Seite Eurer Doppelnaht, zieht etwas an ihnen und schiebt den Stoff mit Gefühl zusammen - die Unterfäden dürfen nicht reißen. Man kann alles auf einer Seite schieben und verteilen, aber ich ziehe/schiebe lieber aufgeteilt auf beide Seiten, weil ich dann vorsichtiger vorgehen kann. Wenn Ihr auf einer Seite fertig seid, verknotet die beiden Unterfäden miteinander, damit Eure Kräusel nicht wieder verschwinden und wendet Euch der anderen Seite zu. Hier verfahrt Ihr genauso, bis die resultierende Breite Eures vorderen Rockteils der des Oberteils entspricht. Dann verknotet Ihr auch die Unterfäden der zweiten Seite und verteilt die Kräusel gleichmäßig, wobei sich der direkte Bereich der Knopfleisten nicht kräuseln soll.


Jetzt brauchen wir den Bundstreifen. Er wird ungefaltet mit Geradstich rechts auf rechts auf das vordere Rockteil genäht - also im Bereich zwischen den beiden Seitennähten auf die Kräusel. Dabei achte ich darauf, das eingesetzte Teil - der Streifen wurde ja aus zwei Teilen zusammengesetzt - mittig über der hinteren Mitte des Rockteils anzuordnen. Dazu müßt Ihr die Mitten von Bundstreifeneinsatzteil und dem übrigen Bundstreifen bestimmen und markieren. Die Mitte des übrigen Bundstreifenteils wird an die Mitte des vorderen Rockteils gesteckt, welche in der Mitte der Knopfleiste liegen sollte, sonst sind die Kräusel noch nicht gut verteilt und müssen gerichtet werden. Geschafft? Dann ist es symmetrisch und sieht gut aus.

Der Bundstreifen wird zwischen Ober- und Rockteil gesetzt. Dieses Bild dient  nur der Veranschaulichung dieses Umstands. Zum Annähen wird der Bundstreifen rechts auf rechts auf das Rockteil gelegt.



Klappt den immernoch ungefalteten Bundstreifen hoch. Das sieht jetzt etwa so aus:


Nein, ganz so sollte es nicht aussehen. Wer hat´s gemerkt? Ich hatte doch gesagt, der Bundstreifen soll rechts auf rechts an das vordere Rockteil genäht werden, nicht links auf rechts! Maaaaaaaaan!!! Naja. Da seht Ihr, es geht uns allen so. Also nochmal... Und wenn der Bundstreifen dann richtig herum am Rockteil sitzt, wird das hintere Rockteil auf die Breite des noch nicht angenähten Bundstreifens eingekräuselt und dann wie im vorderen Bereich daran festgenäht.


Jetzt arbeiten wir das Gummiband in den hinteren Teil des Bundstreifens ein. Die notwendige Länge des Gummibands bestimmt Ihr wie folgt: Maß (c) - (b) + 3cm + Nahtzugabe nach Wunsch.

Das von mir verwendete Gummiband ist 4cm breit. Ich denke, 3cm breites ist leichter zu verarbeiten, da die Gefahr, es aus Versehen festzunähen, kleiner ist. Die Breite sollte für einen schönen Stand des Rückenabschlusses auch reichen.

Ich versäubere vorsichtshalber die Schnittkanten des Gummibandes, dann befestige ich es auf der linken Stoffseite des Bundstreifens und zwar in Höhe beider Seitennähte des Rockteils, nah an der freien Kante des Bundstreifens, aber oberhalb der Nahtzugabe. Achtet darauf, daß das Gummiband dabei nicht in sich gedreht ist.


Dann klappe ich den Bundstreifen nach innen und lasse ihn innen die erste Bundstreifennaht und damit auch die Kräusel überlappen. Damit sieht nicht nur das Innenleben des Kleides sauberer aus, sondern es fühlt sich auch angenehmer auf der Haut an. Genäht wird von außen, also von der "schönen" Seite des Kleides knappkantig oberhalb der Grenze zwischen Rockteil und Bundstreifen. Im Bereich des Gummibandes müßt Ihr den Stoff unter Zug nähen (so daß er beim Nähen glatt liegt) und aufpassen, daß Ihr das Gummiband nicht mit erwischt. Wenn ich das breite Band verwende, klappe ich es vorsichtshalber etwas ein und fixiere es von außen mit Stecknadeln. Wenn Euer Gummiband nur 3cm breit ist, sollte das auch ohne zu klappen gut gehen.

Im linken Bereich seht Ihr, wie der Bundstreifen auf der Innenseite des Kleides die erste Bundstreifennaht überdeckt und damit auch die Kräusel einfaßt.

Jetzt ist der Bundstreifen am Rockteil befestigt - fehlt nur noch die Verbindung von Oberteil und Bundstreifen. Tut Euch einen Gefallen und bügelt kurz über den Bundstreifen, damit er eine klare obere Kante bekommt. Markiert Euch die Mitte des Oberteils und der Knopfleiste (die natürlich mittig im vorderen Rockteil sitzt) und befestigt diese beiden Punkte mit einer Nadel. Dabei liegt das Oberteil mit den ursprünglichen Ärmelsäumen eine Nahtzugabe hinter dem Bundstreifen, bei mir also 1cm. Auch hier wird wieder von der Außenseite knappkantig abgesteppt.


Soooooooo. Das war´s! Ihr seid fertig :o) Gratuliere! Diese Anleitung verinnerlicht, geht das Nähen des Kleides eigentlich recht zügig und mir gefällt es sehr, keine Säume nähen zu müssen.Ich kann das zwar ;o) aber es macht einfach gar keinen Spaß und dauert mir immer zu lange (o: Auch die fertige Knopfleiste ist hier so schön effektvoll einzusetzen, ohne all die sonst nötige Arbeit zu investieren. Zudem kommt man an gebrauchte Hemden oft kostenfrei, was das Benähen der Kinder auch etwas wirtschaftlicher macht. Last, but not least: Umweltfreundlich ist das Ganze auch noch.

Der Vollständigkeit halber: Ihr habt es hoffentlich gemerkt: Das Nachnähen ist von mir absolut erwünscht, der Verkauf von Einzelstücken erlaubt - sagen wir bis zu 13 Stück, eine - in diesem speziellen Fall sicher unwahrscheinliche - Massenproduktion untersagt bzw. mit mir abzusprechen ((0:

Geschafft! Noch einmal kurz bügeln,dann sieht es ganz perfekt aus :o)

Jetzt gilt es nur noch, die Glückliche aufzuspüren, für die das Kleid bestimmt ist und sie zur Anprobe zu bewegen, was sich jedenfalls hier nicht als besonders schwierig herausgestellt hat :o)