Der Blog von Blumen & Biester

Freitag, 14. Juni 2013

Ich will aussteigen!!!!!!


"Kauft, Leute, kauft! Es gibt so viele schöne Dinge, die J E D E R VON UNS
U N B E D I N G T HABEN M U S S!!! " schreit die Werbung uns ins Gesicht. Tag für Tag, überall. Ob nun im Fernsehen oder in der Tageszeitung, im Radio oder in der Zeitschrift, die wir beim Friseur oder Arzt durchblättern, an jeder Straßenecke, Bus- oder Bahnhaltestelle, im Supermarkt und intensiv in all den netten "kostenlosen" Apps für unsere immer unentbehrlicher werdenden Smartphones - wir leben in einer mit Werbung zugepflasterten Welt. Stellt Euch mal vor, wieviel schöner unsere Umgebung aussehen könnte, wenn statt der Werbung Bilder an die Bushaltestellen gemalt würden, Mosaike geklebt oder Blumen gepflanzt. Aber nein - Werbung.


Warum? Na klar - wir sollen konsumieren. Um das zu erreichen, spielt man mit unseren angeborenen Bedürfnissen, unseren Sehnsüchten: Jeder möchte attraktiv sein und gesund, bequem und sicher leben. So gaukelt uns die Werbung eine schöne, gepflegt farbenfrohe Welt mit lächelnd-coolen, aber meist recht steril wirkenden "Schönheiten" vor, die alles zu haben scheinen, wovon man nur träumen kann. Und sie sprechen zu uns: "Ihr könntet auch so leben - geht nur diesen einen Schritt, kauft unser Produkt!". Natürlich durchschauen wir das... bis zu einem gewissen Grad... Und doch passiert es vielen von uns immer wieder, daß wir in diesen Strudel der suggerierten Wünsche geraten, uns getrieben fühlen, Dinge zu kaufen, zu tun, die mit unseren verständlichen und natürlichen Grundbedürfnissen schon lange nichts mehr zu tun haben.

Ich weiche Werbung mittlerweile aus, so gut ich kann. Sie geht mir auf die Nerven. Ich kann es nicht leiden, manipuliert zu werden und Werbung ist einzig und allein dazu angelegt, uns zu manipulieren. Das ist ihr ganzer Sinn und Zweck. Ich soll mein Geld ausgeben. Ich soll verbrauchen. Vielleicht soll ich damit auch so beschäftigt sein, daß ich kaum noch zum Nachdenken komme, keine Fragen stelle, nicht kritisch bin - ich gehe brav arbeiten, damit ich mir alle meine Wünsche auch erfüllen kann und in meiner Freizeit gehe ich dann shoppen. So bin ich ein wirklich angenehmer Bürger meines Landes und störe auch nicht weiter.

Unser Konsumverhalten hat aber Folgen. Es mag zwar hiesigen Wirtschaftsbossen die Freudentränen in die Augen treiben, aber die globalen Auswirkungen sind durchaus nicht positiv. Abgesehen davon, daß wir unsere Ressourcen verbrauchen, bluten andere für unseren Luxus und das ist z.T. durchaus wörtlich zu nehmen, wie man gerade in Bangladesch gesehen hat. Wir tragen die Verantwortung dafür, wir, die Konsumenten. Gerade wir, die wir in Demokratie, Frieden und Wohlstand leben, sollten uns dessen bewußt werden, aufhören, immer noch mehr zu wollen und unser Verhalten überprüfen. Man kann im ganz Kleinen damit anfangen, etwas zu ändern - das muß nicht einmal sonderlich unbequem sein. Kleine Taten, die man tut, sind besser als große, die in der Planung stecken bleiben. Ich denke, jeder von uns hat ein paar Ideen, wo er/sie etwas verbessern könnte. Laßt Euch nicht vom "Großen Ganzen" frustrieren. Wir sind so viele - wenn jeder ein paar kleine Dinge verändert, macht das in der Masse eine ganze Menge aus. Interessierten möchte ich diese Seite hier sehr ans Herz legen: http://www.storyofstuff.org/ und hier zum Einstieg ganz besonders den Film "The story of stuff". Auf youtube ist der Film auch ins Deutsche übersetzt worden. Es ist erstaunlich und erschütternd, wenn man beginnt die globalen Zusammenhänge wirklich zu begreifen.

O.k. - also ändern wir etwas und fangen bei uns selber an - auch wenn uns unsere Schritte zunächst sehr klein erscheinen mögen. In diesem Zusammenhang ist auch mein neuer Entwurf zu sehen, bei dem es sich einmal mehr um Recycling dreht oder - wie ich jetzt gelernt habe - um Upcycling (finde ich fast noch treffender, denn die Dinge erfahren - zumindest für mich persönlich - eine Wertsteigerung, da neben den positiven Effekten, die das Weiterverwerten auf meine Umwelt hat, nun auch mein Design, meine Persönlichkeit in ihnen steckt).

Unter was für grausigen Bedingungen unsere Jeans v.a. in China hergestellt werden, sollte sich herumgesprochen haben. Leider ist das auch nicht wirklich abhängig vom Preis der Jeans - auch teure Hosen werden in diesen menschenunwürdigen, lebensfeindlichen Fabriken produziert. Was also tun, wenn ich nicht oder nur mit relativ großem Rechercheaufwand erkennen kann, ob ich verantwortungsvoll einkaufe oder nicht? Ganz klar: Weniger ist mehr - also weniger kaufen und das, was wir bereits haben länger nutzen. Spart Euer Geld lieber für eine vernünftige Nähmaschine und dann schöpft aus dem was Ihr alle habt - altes Zeug und Phantasie. Mit ein bißchen Training ist das durchaus keine Notlösung. Dann macht IHR Eure eigenen coolen Designs, bestimmt IHR die neuen Trends und lauft keinem mehr hinterher. Nebenbei tut Ihr auch noch etwas Gutes. Und Geld spart das Nähen so außerdem. Es ist erstaunlich, wie schnell die eigenen Regale überquellen, wenn man einmal in der nächsten Bekanntschaft äußert, daß man sich für abgelegte Kleidung interessiert.

Hosenbein einmal anders - die aufgenähte Tasche habe ich dem Hinterteil  entwendet, der Träger stammt aus dem anderen Bein. Knopfreste von anderen Projekten und alten Blusen, ein Kamsnap, etwas Gurtband, zwei Karabinerhaken und 2 D-Ringe - meine neue Tasche :-)
Extrafeature: Mit Hilfe der am Hosenbund  abgetrennten und hier wieder angebrachten Gürtelschlaufen sieht das Ganze nicht nur witziger aus, sondern läßt sich auch als Gürteltasche verwenden. Den Träger kann ich zu diesem Zweck abnehmen. Die Fransen sind noch ganz neu - einmal in der Waschmaschine oder länger im Gebrauch werden sie noch franseliger.
Für diese Tasche habe ich eine Hose meines älteren Sohnes zerschnitten. Ich hatte sie für den Kleinen (Altersabstand 8,5 Jahre) aufgehoben, dann aber festgestellt, daß sich die Mode mittlerweile geschickterweise so geändert hat, daß ich es ihm kaum zumuten konnte, mit dieser Hose in der Schule aufzutauchen. Ja, man manipuliert uns schon geschickt. Allerdings hatte ich schon länger nach einer Tasche für mein unmöglich großes Handy gesucht, damit ich beim Staubsaugen Musik hören kann. Ja, ich höre beim Staubsaugen Musik. Ich finde Staubsaugen totlangweilig und sehr lästig. Leider ist es bei einem Haushalt mit vier Kindern, die jeden Tag des öfteren rein- und rausflitzen ziemlich eindeutig unvermeidbar, also versuche ich die Zeit, die ich mit Mr.Dyson verbringen muß (ja, auch hier ist da jemand der Werbung auf den Leim gegangen), sinnvoll zu nutzen. So höre ich dann Musik und... singe. Ist bestimmt lustig für andere, aber das ist mir egal - mir macht es Spaß :-) und das ist etwas, was ich vom Staubsaugen nie erwartet hätte. Am praktischsten erschien mir dafür eine Gürteltasche, damit ich beide Hände frei habe und der Träger sich nicht mit dem Kopfhörerkabel verheddern kann. Nach ein bißchen Basteln und Probieren fand die Hose dann ihre neue Bestimmung und wurde zu dieser - sogar gefütterten - Tasche. So mutierte sie vom Dachbodenbewohner zum täglich genutzten Lieblingsstück, denn sie gefiel mir dann so gut, daß ich doch noch einen abnehmbaren Träger dazubaute, um sie auch sonst zum Einsatz bringen zu können.

(-: Viel schöner als jede Werbung :-)