Der Blog von Blumen & Biester

Mittwoch, 29. Januar 2014

Aus neu mach alt!

"Gift" ist vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber Absinth hat schon einen leicht dunklen Ruf...
Hier bei uns ist es mal wieder Zeit, sich eine Menge Geburtstagsgeschenke einfallen zu lassen. So kurz nach Weihnachten ist das eine doppelte Herausforderung, wenn man außerdem das Ziel hat, etwas Persönliches zu finden und nicht einfach nur Geld auszugeben. In diesem Fall hatten wir die Vorgabe durch unser "Geburtstagskind" ("Kind" ist hier höchstens relativ zu sehen, er wurde 45), etwas Passendes zu einer seiner kleinen Leidenschaften beizutragen: Absinth. Ihr wißt schon, dieses ursprünglich grüne Zeug mit einem gewissen Gehalt an Thujon, einem Nervengift z.B. aus Wermut, das u.a. Größen wie van Gogh, Edgar Allan Poe, Hemingway oder Oscar Wilde zu sich genommen haben und dem eine psychogene Wirkung sowie das Entstehen von Abhängigkeit nachgesagt wurde. Dieses ist mittlerweile wohl widerlegt, wie hier zu lesen ist. Heute ist Absinth - nach lange andauerndem Verbot - in kontrollierter Form (in Bezug auf den Thujongehalt) wieder im Handel und der Kult, der dieses auch ziemlich alkoholische Getränk immernoch umgibt, macht ihn für viele reiz- und stilvoll. Dieses kultige Grundgefühl wollte ich aufgreifen und zu unserem Geschenk - Absinth, passende Löffel und Gläser - etwas Ambiente mitverschenken. (Anmerkung: Unser Beschenkter trinkt nur sehr mäßig und wohldosiert und ist in keiner Weise durch unser Geschenk in Gefahr, sonst hätten wir davon abgesehen).

Die Grundidee war schnell geboren: eine schöne Hülle für die Flasche und Untersetzer für die Gläser sollten her.

Unbehandelte Baumwolle mit Tee, Backpulver und Espresso gefärbt -
daraus könnte auch eine tolle Schatzkarte werden.
Um das Ganze antik wirken zu lassen, habe ich unbehandelte Baumwolle mit Tee und Espresso gefärbt und mit Backpulver gebleicht. Genau ging das so vonstatten: Gegen 6.50h morgens habe ich ein etwa 90 x 90 cm großes Stück unbehandelten Baumwollstoff zusammengeknäult (es sollte eine unregelmäßige Färbung werden) in etwa 750 ml starken schwarzen Tee (ca. 1 Eßlöffel Tee) gegeben, die verbleibenden 250 ml getrunken, um wach zu werden und dann vergessen, mein Stoffknäuel nach 30 Minuten wie geplant herauszuholen. Als ich etwa eine Stunde später nach dem morgendlichen "Oh-Gott-die-Kinder-müssen-in-die-Schule-Durcheinander" wieder an meinen Stoff dachte, hatte er ein recht sattes Mittelbraun mit weißen Flecken - das war mir so zu krass, denn eigentlich sollte das Ganze wie altes Pergament aussehen, zwar mit bräunlichem Touch und unregelmäßig, aber doch mit weicheren Übergängen. Also habe ich dann Backpulver als Bleichmittel auf dem ausgespülten, feuchten Stoff verteilt - vor allem zur Mitte hin, da die Ränder dunkler bleiben sollten, den Stoff wieder zu einem lockeren Ball gewickelt und etwa zwanzig Minuten gewartet, bis mir der Farbton schon fast gefiel, dann den Ball mit starkem Espresso noch einmal übergossen und noch einmal zehn Minuten ziehen lassen. Nach dem Auswaschen hatte ich dann tatsächlich meine gewünschte Färbung, die bei 30°C auch in der Maschine waschbar sein soll - ich denke, das kommt hin, aber ein abschließender Dauertest steht noch aus.

So sieht der obere Teil der Flaschenhülle aus - ein schlichtes Rechteck, das nun noch ein Schrägband für die Kordel aufgenäht bekommt und oben gesäumt wird, bevor man es zum Schlauch schließt.
Den Schnitt für die Flaschenhülle kann man ganz leicht selbst passend herstellen. Ihr braucht den Umfang der Flasche, die Ihr verpacken möchtet und addiert ein wenig "Spiel", damit sie sich leicht ein- und auspacken läßt. 2 cm reichen da schon, ist aber Geschmackssache. Der sich ergebende Wert ist der Umfang des Kreises, den Ihr für den Boden der Flaschenhülle ausschneidet. Mit den Kreisformeln könnt Ihr daraus den Radius berechnen und dann braucht Ihr nur noch einen Zirkel :-) Die Breite (a) und Höhe (b) des zweiten Stückes Stoff berechnen sich so: (a) aus dem Kreisumfang + 2x Eurer Nahtzugabe und (b) aus der Höhe der Flasche + 1x Nahtzugabe + 1x Saumzugabe + eine zusätzliche Höhe von 5 - 10 cm, die die Hülle höher sein soll als die Flasche. Sollte irgendjemand an einer schematischen Zeichnung interessiert sein - schreibt mir nur :-) Für die Kordel habe ich gleich nach dem Aufnähen des Labels Schrägband aufgenäht, das ich an den Enden ein kleines Stück eingeschlagen habe, damit es nicht aufdröselt. Die seitliche Nahtzugabe des gefärbten Stoffes muß dabei frei bleiben. Danach habe ich mein rechteckiges Stück Stoff oben gesäumt und das Ganze rechts auf rechts zum Schlauch geschlossen, sowohl an meinem Kreisboden, als auch an meinem Schlauch die Viertel markiert, Kreis und Schlauch aneinander festgesteckt und zusammengenäht, gewendet, Kordel eingezogen - fertig!

Die Stickdatei für das Label könnt Ihr hier erwerben, allerdings möchte ich gleich dazu sagen, daß das Stabilisieren schon recht schwierig ist - durch die über 50000 Stiche verzieht sich so einiges und bei drei Rollen Unterfaden und gefühlt endloser Stickzeit hört der Spaß dann irgendwo auf, wenn am Ende eben nicht alles paßt *grummel*. Extrafestes Vlies, Sprühkleber und nur sehr wenig dehnbares Kunstleder haben jedenfalls nicht gereicht, um unbeschadet durch die Datei zu kommen, aber immerhin konnte ich die Lücken mit ein bißchen Phantasie und Handarbeit schließen und das Ganze dann doch retten. Die problemlose Totenkopfstickdatei auf den Untersetzern ist diese hier, die "Absinthglas-Rugs"-Datei ist ein Eigenbau.

So. Und demnächst werde ich wohl mal probieren mü... äh DÜRFEN :-)
Sechs Untersetzer waren ein bißchen zehrend für die Geduld, aber da sich unser "Geschenkeopfer" am Ende gefreut hat, war es das auch wert. So. Und jetzt ist der nächste dran - am Sonntag geht unser Geburtstagsmarathon weiter :-)